
Freude & Harmonie
Wunjo ist die Wonne, die Rune der Freude, Harmonie und Erfüllung. Sie kündigt an, dass ein Wunsch reift und dass Eintracht und Zugehörigkeit dich tragen. Lass heute zu, dich am Schönen zu freuen, und teile dieses Glück mit denen, die dir nahe sind.


„Wunjo“ ist die Wonne, die Freude, die Eintracht – sprachlich verwandt mit dem deutschen „Wonne“ und dem englischen „win“. Sie steht für Gluecksgefuehl und Harmonie in der Gemeinschaft.
Das altenglische Gedicht sagt sinngemäß: Freude geniesst, wer wenig Sorge, Schmerz und Kummer kennt und in Wohlstand und Geborgenheit lebt.
Wunjo schliesst die erste der drei Achtergruppen (Freyrs Aett) ab – ein versoehnlicher Abschluss nach Kraft, Schutz und Reise.
Wie Gebo gehört auch Wunjo nur zum älteren Futhark; in der 16er-Reihe der Wikingerzeit ist sie nicht mehr enthalten.
Wenne bruceþ ðe can weana lyt, sares ond sorge, ond him sylfa hæfþ blæd ond blysse ond eac byrga geniht.Wonne genießt, wer wenig Leid kennt, keinen Schmerz und Kummer, und selbst Gedeihen und Glück und genug im festen Haus hat.Altenglisches Runengedicht, Str. 8 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)
Wie Gebo überlebte Wunjo den Sprung ins Jüngere Futhark nicht. Das altenglische Gedicht ist damit unsere einzige alte Stimme – und es fasst Glück nüchtern: nicht Rausch, sondern die Abwesenheit von Not, ein sicheres Dach, Genug.
Urgermanisch *wunjō „Wonne, Freude". Altenglisch wynn, deutsch „Wonne", verwandt mit „(ge)winnen" und „wähnen". Aus dem Runennamen Wynn wurde zugleich ein Buchstabe des altenglischen Alphabets (Ƿ) – eine der wenigen Runen, die als Schriftzeichen ins Lateinalphabet übertraten.
Als Laut /w/ ist Wunjo in frühen Inschriften geläufig; im altenglischen Schrifttum lebte das Zeichen als Buchstabe wynn bis ins Hochmittelalter weiter, ehe „w" es ablöste. In den Elder-Futhark-Reihen schließt sie die erste Ætt ab.
Wunjo markiert das Ende von Freyrs Ætt (Runen 1–8). Ihre Deutung „Freude/Harmonie" ruht wie bei Gebo auf dem altenglischen Gedicht allein; die Forschung nimmt sie als gesichert, weist aber auf die schmale Quellenbasis hin (Dickins; Barnes).
Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.