
Losbecher & Schicksal
Perthro ist der Losbecher, die Rune des Schicksals, des Geheimnisses und des verborgenen Glücks. Sie spricht vom Spiel der Möglichkeiten und davon, dass nicht alles in unserer Hand liegt. Bleib offen für Überraschungen – das Verborgene zeigt sich zur rechten Zeit.


Die Bedeutung von „Perthro/Peorð“ ist bis heute umstritten. Am ueberzeugendsten ist die Deutung als Würfel- oder Losbecher – das Gerät des Spiels und der Schicksalsbefragung.
Das altenglische Gedicht verbindet „peorð“ mit Spiel und Gelächter in der Halle, wo fröhliche Männer beisammensitzen – ein Hinweis auf Wuerfelspiel und Zeitvertreib.
Das Werfen von Losen und Staeben zur Befragung des Schicksals ist für die Germanen schon bei Tacitus bezeugt. Perthro ist die Rune des Verborgenen, des Loses, des Zufalls, der zugleich Schicksal ist.
Perthro ist die geheimnisvollste Rune des Futhark – schon weil niemand mehr ganz sicher sagen kann, was ihr Name ursprünglich bedeutete.
Peorð byþ symble plega and hlehter wlancum, ðar wigan sittaþ on beorsele bliþe ætsomne.Peorð ist stets Spiel und Gelächter den Stolzen, wo die Krieger in der Bierhalle froh beisammensitzen.Altenglisches Runengedicht, Str. 14 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)
Was „peorð" wörtlich heißt, weiß niemand sicher. Der Kontext (Bierhalle, Spiel, Gelächter) legt einen Würfel- oder Losbecher nahe – daher unsere Deutung „Losbecher, Schicksal, das Verborgene".
Der Name *perþ- ist eines der wenigen wirklich ungeklärten Runennamen. Vorschläge reichen von „Birnbaum" über „Würfelbecher/Spielstein" bis zu einem Fruchtnamen – keiner ist gesichert. Selten kommt die Rune in echten Wörtern vor, was die Deutung zusätzlich erschwert.
Perthro steht in der Futhark-Reihe von Kylver, ist aber in Inschriften sehr selten. Ihre Form (ein „Kelch" oder „Beutel" auf dem Stab) hat die Spekulation um den Losbecher zusätzlich befeuert.
Perthro ist der ehrlichste Grenzstein des Runenlexikons: Hier endet gesichertes Wissen. Die verbreitete Deutung „Los/Schicksal" ist plausibel, aber nur aus dem Hallen-Kontext des Gedichts erschlossen (Page; Barnes). Wir kennzeichnen das ausdrücklich.
Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.