Rune

Laguz

Rune Laguz  ·  Lautwert L  ·  Tyrs Ætt

Wasser & Intuition

Bedeutung & Deutung

Laguz ist das Wasser, der See, die Rune der Intuition und des Lebensflusses. Sie lädt ein, der inneren Strömung zu folgen und dem Unbewussten zu lauschen, statt gegen den Strom zu kämpfen. Lass dich heute von deinem Gefühl leiten – das Wasser findet seinen Weg von selbst.

Laguz aufrecht
Aufrecht
Das Wasser, der See. Intuition und der Fluss des Lebens; folge der inneren Strömung.
Laguz umgekehrt
Umgekehrt / verwandt
Gestürzt überflutet Laguz mit Verwirrung und Überforderung – ein Kampf gegen den Strom. Lass los, vertraue deinem Gefühl und schwimme mit, statt dagegen.

Name & Herkunft

„Laguz/Lögr“ ist das Wasser, der See, die Flut. Rune des Fliessenden, des Unbewussten, der Intuition.

Im Runengedicht

Das altenglische Gedicht beschreibt das Wasser als endlos den Menschen erscheinend, wenn sie sich auf schwankendem Schiff hinauswagen und die Meereswogen sie schrecken.

Historischer Gebrauch

Das Meer war für die Wikinger Lebensader und Bedrohung zugleich – Strasse zu Reichtum und Grab vieler Seefahrer. Laguz steht für diese unberechenbare, traegende Kraft.

Gut zu wissen

Wasser war heilig: Quellen und Brunnen galten als Orte der Weisheit – man denke an Mimirs Brunnen unter Yggdrasil.

Das Runengedicht im Original

Lagu byþ leodum langsum geþuht, gif hi sculun neþan on nacan tealtum, and hi sæyþa swyþe bregaþ, and se brimhengest bridles ne gymeð.Das Wasser scheint den Menschen endlos, müssen sie auf schwankem Kahn hinauswagen; die Meereswogen schrecken sie sehr, und das Meerross achtet des Zügels nicht.Altenglisches Runengedicht, Str. 21 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)

Das isländische Gedicht: „Wasser ist wallender Strom und weiter Kessel und Land der Fische." Dieselbe Ambivalenz: Wasser trägt und bedroht, Intuition, die man nicht zügeln kann.

Name & Etymologie

Urgermanisch *laguz „Wasser, See". Altnordisch lögr, altenglisch lagu. Manche verknüpfen die Rune auch mit dem Formelwort laukaʀ („Lauch", Wachstum) – ein Beispiel dafür, wie eng Lautzeichen und magische Formelwörter beieinanderliegen.

Epigraphische Belege

Als Laut /l/ ist Laguz häufig. In Amulettinschriften erscheint laukaʀ/lauʀ als Segenswort; ob die l-Rune dabei „nur" Buchstabe oder Sinnzeichen ist, bleibt Auslegungssache.

Forschung & Deutung

Laguz ist ein guter Testfall für die Grenze zwischen Schrift und Formel: derselbe Laut steht in Alltagswörtern und in Segensworten. Die Runologie bleibt hier bewusst vorsichtig (Looijenga; Page).

Quellen & Forschung

Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.