Runen-Lexikon / Ingwaz
Rune

Ingwaz

Rune Ingwaz  ·  Lautwert NG  ·  Tyrs Ætt

Ing & Reife

Bedeutung & Deutung

Ingwaz ist die Rune des Gottes Ing, Sinnbild der Reife, der Vollendung und der gesammelten Kraft, die freigesetzt wird. Wie ein Same, der lange ruht und dann aufgeht, spricht sie vom Abschluss eines Vorhabens. Was lange gewachsen ist, darf nun Frucht tragen – ruhe in dieser Vollendung.

Ingwaz aufrecht
Aufrecht
Der Gott Ing. Reife und Vollendung, gesammelte Kraft, die freigesetzt wird; ein Vorhaben kommt zum Abschluss.
Ingwaz umgekehrt
Umgekehrt / verwandt

Name & Herkunft

„Ingwaz“ ist die Rune des Gottes Ing (Yngvi-Freyr), des Fruchtbarkeitsgottes und Ahnvaters. Sie steht für reifende Kraft, Sammlung und glücklichen Abschluss.

Im Runengedicht

Das altenglische Gedicht erzählt, wie „Ing“ zuerst bei den Ostdaenen gesehen wurde, dann ostwaerts über die Wellen zog – sein Wagen rollte ihm nach. So benannten ihn die kühnen Krieger.

Historischer Gebrauch

Ing/Freyr stand für Frieden, gute Ernte und Fruchtbarkeit; das schwedische Koenigsgeschlecht der Ynglinge leitete seinen Namen von ihm ab. Ingwaz ist die Rune der gespeicherten, reifenden Energie.

Gut zu wissen

Die geschlossene, rautenfoermige Gestalt der Rune wirkt wie ein Same oder ein umfriedeter Acker – Kraft, die sich sammelt, bevor sie hervorbricht.

Das Runengedicht im Original

Ing wæs ærest mid East-Denum gesewen secgun, oþ he siððan est ofer wæg gewat; wæn æfter ran; ðus Heardingas ðone hæle nemdun.Ing wurde zuerst bei den Ost-Dänen von Menschen gesehen, bis er später ostwärts über die Woge zog; sein Wagen rollte hinterher; so nannten die Heardinge den Helden.Altenglisches Runengedicht, Str. 22 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)

Ing ist der Gott Yngvi-Freyr, Ahnherr der schwedischen Ynglinge und der von Tacitus genannten Ingaevonen. Die Rune bewahrt einen der ältesten germanischen Stammes- und Königsmythen.

Name & Etymologie

Urgermanisch *Ingwaz, ein Fruchtbarkeits- und Ahnengott (später mit Freyr gleichgesetzt). Der Name steckt in Ingaevones (Tacitus) und im Königsgeschlecht der Ynglingar. Der Lautwert ist der Nasal /ŋ/ (ng).

Epigraphische Belege

Ingwaz hat eine markante Rauten- bzw. Kettenform. Sie fiel im Jüngeren Futhark aus (der ng-Laut wurde anders geschrieben), ist aber im Elder Futhark und im altenglischen Futhorc fest belegt.

Forschung & Deutung

Die Ing-Strophe ist ein Glücksfall: Sie verknüpft eine Rune direkt mit einem Gott und einer Wanderungssage (Ost-Dänen → ostwärts über die See). Die Forschung liest darin einen alten Freyr-/Ahnenkult (Simek; North).

Quellen & Forschung

Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.