
Eibe & Rückgrat
Eihwaz ist die Eibe, der immergrüne Weltenbaum, der Anfang und Ende verbindet. Sie steht für Standhaftigkeit, Wandlung und das tiefe Rückgrat, das auch durch Dunkles trägt. Verwurzelt und doch wandelbar – so darfst du heute deinem Weg vertrauen, selbst wenn er durch Schatten führt.


„Eihwaz“ ist die Eibe – ein Baum, der uralt wird, immergruen bleibt und dessen Holz zugleich giftig und zäh ist. Aus Eibenholz fertigte man die besten Bögen.
Das altenglische Gedicht beschreibt die Eibe als aussen rauen, fest im Boden verwurzelten Baum, Hüter des Feuers, eine Freude auf dem Hof.
Die Eibe galt als Baum zwischen Leben und Tod – immergruen und doch giftig. Manche sehen in ihr ein Sinnbild für Yggdrasil selbst. Eihwaz steht für Rückgrat, Ausdauer und die Verbindung von oben und unten.
Eibenbogen waren über tausend Jahre die Hochleistungswaffe Europas – das Material hinter dieser Rune entschied Schlachten.
Eoh byþ utan unsmeþe treow, heard hrusan fæst, hyrde fyres, wyrtrumun underwreþyd, wyn on eþle.Die Eibe ist außen ein rauer Baum, hart, fest in der Erde, Hüterin des Feuers, von Wurzeln gestützt, eine Freude im Heimatland.Altenglisches Runengedicht, Str. 13 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)
Die Eibe ist immergrün und uralt – ein Baum, der Anfang und Ende verbindet; manche verknüpfen sie mit Yggdrasil. Ihr Holz gab die besten Bögen (altnord. ýr = Eibe und Bogen).
Urgermanisch *īhwaz / *īwaz „Eibe". Altnordisch ýr, altenglisch eoh/īw, deutsch „Eibe". Der Lautwert ist unsicher – oft als ï oder æ umschrieben, ein „Zwischenlaut". Eihwaz gehört zu den seltensten und rätselhaftesten Runen.
Eihwaz ist auf dem Kylver-Stein und in wenigen frühen Reihen belegt, tritt aber kaum in echten Wörtern auf – teils, weil ihr Laut ungewöhnlich war. Im Jüngeren Futhark verschwand sie in dieser Form.
Eihwaz ist ein Paradefall runologischer Unsicherheit: unklarer Lautwert, seltene Belege, kaum sichere Wörter. Gerade deshalb warnt die Forschung vor allzu selbstsicheren „Bedeutungen" (Barnes; Looijenga).
Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.