
Ross & Vertrauen
Ehwaz ist das Pferd, die Rune des Vertrauens, der treuen Partnerschaft und des stetigen Fortschritts. Wie Ross und Reiter im Einklang spricht sie vom Zusammenwirken, das beide weiterbringt. Heute zählt das Miteinander – im Vertrauen kommt ihr gemeinsam schneller voran.


„Ehwaz“ ist das Pferd, das Ross – verwandt mit dem lateinischen „equus“. Die Rune steht für Partnerschaft, Vertrauen und das eingespielte Zusammenwirken von Reiter und Tier.
Das altenglische Gedicht preist das Pferd als Stolz der Edlen, von Helden hochgeschaetzt, ein Trost den Ruhelosen – ein treuer Gefährte, der nie still steht.
Pferde waren heilig: Weisse Hengste wurden für Orakel gehalten, und in Schiffsgraebern wie Oseberg fand man geopferte Pferde. Ehwaz verkörpert das Band zwischen Mensch und Tier.
Odins achtbeiniges Ross Sleipnir ist das berühmteste Pferd der Mythologie – Ehwaz trägt etwas von diesem Zauber des Reittiers in sich.
Eh byþ for eorlum æþelinga wyn, hors hofum wlanc, ðær him hæleþ ymb welege on wicgum wrixlaþ spræce, and biþ unstyllum æfre frofur.Das Ross ist vor den Edlen der Fürsten Freude, ein Pferd, stolz auf seine Hufe, um das reiche Helden zu Pferd das Wort tauschen – und den Ruhelosen ist es stets ein Trost.Altenglisches Runengedicht, Str. 19 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)
Ehwaz überlebte den Sprung ins Jüngere Futhark nicht – das altenglische Gedicht ist unsere einzige alte Stimme. Es zeigt das Pferd als Zeichen von Vertrauen und treuem Zusammenwirken.
Urgermanisch *ehwaz „Pferd", sprachverwandt mit lateinisch equus und altindisch aśva. Altnordisch dichterisch jór, altenglisch eh/eoh. Das Pferd war heilig (Freyfaxi-Kult, Pferdeopfer) – ein Tier zwischen Alltag und Götterwelt.
Als Laut /e/ ist Ehwaz in frühen Inschriften belegt, fällt aber im Jüngeren Futhark aus (der /e/-Laut wird dort mit der í-Rune geschrieben). Ihre M-ähnliche Form macht sie leicht mit Mannaz zu verwechseln.
Ehwaz und Mannaz stehen bewusst nebeneinander („Ross und Reiter"): Pferd und Mensch als eingespieltes Paar. Weil Ehwaz nur im altenglischen Gedicht erklärt ist, ruht die Deutung auf einer Quelle (Page; Dickins).
Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.