
Tag & Durchbruch
Dagaz ist der Tag, das Morgenlicht zwischen Nacht und Tag, die Rune des Durchbruchs, des Erwachens und der Hoffnung. Sie verheißt, dass aus Dunkel Licht wird – ein Wandel zum Guten, ein klarer Augenblick der Einsicht. Heute öffnet sich eine Tür; tritt mit Zuversicht hindurch.


„Dagaz“ ist der Tag, das Tageslicht – verwandt mit dem deutschen „Tag“. Rune des Durchbruchs, der Wende vom Dunkel zum Licht.
Das altenglische Gedicht preist den Tag als Sendung des Herrn, lieb den Menschen, herrliches Licht, Freude und Hoffnung für Reiche und Arme, nützlich allen.
Der Wechsel von Nacht und Tag, von Dämmerung zu Morgen, war ein Grunderlebnis – Dagaz markiert genau diesen Moment der Wende, in dem sich alles klärt.
Manche Runenreihen stellen Dagaz an den Schluss des Futhark – als hoffnungsvollen Abschluss: nach allem Dunkel der neue Tag.
Dæg byþ drihtnes sond, deore mannum, mære metodes leoht, myrgþ and tohiht eadgum and earmum, eallum brice.Der Tag ist des Herrn Sendung, den Menschen teuer, das herrliche Licht des Schöpfers, Freude und Hoffnung für Reiche und Arme, allen von Nutzen.Altenglisches Runengedicht, Str. 23 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)
Dagaz überlebte den Sprung ins Jüngere Futhark nicht. Das altenglische Gedicht feiert den Tagesanbruch: Durchbruch, Erwachen, das Kippen von Dunkel zu Licht.
Urgermanisch *dagaz „Tag". Altnordisch dagr, altenglisch dæg, deutsch „Tag". In der Edda ist Dagr (Tag) der leuchtende Sohn, der auf hellem Ross den Himmel umrundet – der Runenname trägt also auch ein mythisches Bild.
Die d-Rune hat eine markante Schleifen- bzw. Sanduhrform. Sie ist im Elder Futhark und im Futhorc fest belegt; im Jüngeren Futhark wurde der d-Laut mit der t-Rune geschrieben.
Dagaz und Othala schließen das Futhark ab (Runen 23–24; die Reihenfolge schwankt in manchen Quellen). Die Deutung „Tag/Durchbruch" ist gut gestützt und über die Reihen konstant (Dickins; Barnes).
Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.