
Schutz & Elch
Algiz ist der Schutz, das aufgerichtete Elchgeweih, die Rune der Bewahrung und des wachen Instinkts. Sie legt eine schützende Hand über dich und rät, auf dein Bauchgefühl zu hören. Heute darfst du dich geborgen wissen – und zugleich aufmerksam dafür sein, wo eine Grenze nötig ist.


„Algiz/Elhaz“ wird meist als „Elch“ gedeutet, manchmal als Schutz oder als das scharfkantige Riedgras. Die nach oben gespreizte Form erinnert an eine abwehrende Hand oder ein Geweih.
Das altenglische Gedicht spricht vom „eolh“-Riedgras, das im Sumpf wächst und jeden grausam verwundet, der danach greift – ein natürlicher Schutz durch Wehrhaftigkeit.
Algiz gilt als die klassische Schutzrune, ein Zeichen der Abwehr und des Bewahrens. Ihre Form taucht auch umgekehrt als „Todesrune“ in späteren Deutungen auf.
Die aufrechte Algiz-Form ist heute eines der bekanntesten Runenzeichen überhaupt – als Sinnbild für Schutz und Leben.
Eolh-secg eard hæfþ oftust on fenne, wexeð on wature, wundaþ grimme, blode breneð beorna gehwylcne ðe him ænigne onfeng gedeþ.Das Elch-Riedgras hat seinen Ort meist im Moor, wächst im Wasser, verwundet grimmig und färbt jeden mit Blut, der danach greift.Altenglisches Runengedicht, Str. 15 · Übers. n. Dickins 1915 (gemeinfrei)
Das altenglische Gedicht nennt ein schneidendes Riedgras; der Runenname wird meist als *algiz „Elch" (Schutz) gedeutet. Beide Bilder treffen sich in „Abwehr" – die scharfe Pflanze wie das wehrhafte Tier.
Urgermanisch *algiz „Elch" – oder der Name des schneidenden „Elch-Riedes" (ae. eolh-secg). Der Lautwert ist der auslautende Zischlaut -ʀ (aus früherem /z/), ein Sonderlaut, der nur am Wortende vorkam. Im Jüngeren Futhark wurde die Rune zum Zeichen für maðr („Mann") umgenutzt.
Als ʀ-Rune steht Algiz vor allem am Wortende – etwa in der Endung von Namen wie HlewagastiR (Gallehus). Ihre nach oben gespreizte Form („erhobene Hand/Geweih") machte sie zum beliebten Schutzzeichen der Neuzeit.
Algiz zeigt zwei Dinge zugleich: die feine germanische Lautgeschichte (der /z/→/ʀ/-Wandel) und die Umnutzung von Runen (ʀ→Mann-Rune). Die moderne „Schutzrune" fußt auf der Elch-/Wehrhaftigkeits-Deutung – historisch plausibel, aber ausgebaut (Antonsen; Barnes).
Runengedicht-Zitat: altenglisches Runengedicht nach Bruce Dickins, Runic and Heroic Poems (Cambridge 1915, gemeinfrei); nordische Strophen nach dem norwegischen und isländischen Runengedicht. Deutung & Etymologie nach R. I. Page (Runes), Michael Barnes (Runes – A Handbook) und Klaus Düwel (Runenkunde). Wo Name oder Deutung umstritten sind, ist es im Text vermerkt. Ausführlich: Runenkunde-Überblick.